Schule im Homeoffice

Seit fast genau einer Woche geschieht die Schularbeit von zu Hause aus. Wir sind angehalten, keine Gruppentreffen von Lehrern abzuhalten und auch den Schüler*innen keine Gruppenaufgaben zu erteilen. Es schleicht sich ein ganz anderes Gefühl von Schularbeit ein – einerseits weniger stressig, andererseits noch etwas unsicher. Woran liegt das?

Zum einen ist die Fernsituation natürlich weniger körperlich belastend. Täglich in einem Klassenraum mit rund 25-30 Schüler*innen zu stehen, lässt häufig keine Minute der Ruhe zu. Gerade auch in den jüngeren Jahrgängen 5., 6., 7. Klasse belastet es psychisch, sich immer wieder einen Moment der konzentrierten Arbeit zu erkämpfen. Und da kann jeder Wald- und Wiesenpädagoge kommen, es hat nicht allein mit der Lehrkraft zu tun, sondern mit vielen anderen – auch privaten – Faktoren bei Kindern und Lehrfach.

Musikunterricht habe ich in meiner eigenen Klasse beispielsweise alle zwei Wochen in der 7./8. Stunde. Freitags. Wer schon einmal 11-13-jährige Kinder freitags in der 7./8. Stunde unterrichtet hat, mag sich das gern vorstellen. Wer nicht, mag sich gern etwas ausmalen. Es ist jedenfalls nicht einfach, fachbezogenen, inhaltlich anspruchsvollen Unterricht zu dieser Tageszeit durchzuführen. In der Folgewoche haben die Kinder freitags 7./8. Stunde Geschichte. Die Kollegin teilt das gleiche Schicksal – zumal Geschichte in Sachsen-Anhalt an Gesamtschulen eine Sonderrolle für den Gymnasialzweig einnimmt.

Nun ändert sich das also, denn jede*r Schüler*in ist nun allein zu Hause und bekommt die Fachaufgaben per Mail übermittelt. Es ist zum einen schwerer allein zu lernen, wenn nicht jemand aus der Klasse oder direkt der Lehrer hilft. Es zum anderen aber deutlich weniger Ablenkung und „Sozialsituation“, in der sich jeder beweisen müsste. So habe ich von einigen konzentrationsschwachen Schülern*innen schon in der ersten Woche außerordentlich gute Arbeiten zugeschickt bekommen.

Die Schwierigkeiten dagegen sind natürlich Kommunikationswege und die ungewohnte Situation der selbständigen Lerneinteilung. Wir senden die Aufgaben wöchentlich an die Schüler*innen, sodass am Montag klar sein sollte, was bis Freitag erledigt sein sollte. Das ist ein großer Zeitraum zur Einteilung, vor allem für die Jüngeren.

Vom Land gibt es keine Vorgaben für die Kommunikationswege. Die digitale Infrastruktur ist auch in jeder Schule unterschiedlich: Wir nennen glücklicherweise ein Lernportal mit eigener Mail-Adresse für jedes Schulmitglied unser eigen. In anderen Schulen dagegen muss dies über private E-Mail gelöst werden. Mensch kann allerdings gerade von den Jüngeren noch nicht erwarten, dass sie eine eigene Mail-Adresse ihr eigen nennen. Zudem müssen die Lehrer*innen auch an diese Adressen herankommen – was in Zeiten des Datenschutzes nicht immer einfach ist. Die Schulen selbst dürfen Kontaktadressen nur mit Zustimmung der Erziehungsberechtigten führen.

Zudem darf mensch sich das E-Mail-Aufkommen einer Klasse vorstellen, die mit rund 10 Fächern (Fachlehrern) und 25 Schüler*innen bestückt ist. Wenn es hier kein Lernportal mit Server gibt, sodass auf Aufgaben zugegriffen werden kann und Lösungen hochgeladen werden können, ist mensch täglich im zwei- bis dreistelligen Mail-Bereich. Auch die Mails eines einzelnen Lehrers / einer Lehrerin mit rund 10 Klassen, also 250-300 Schüler*innen, wird täglich unübersichtlicher. Da ist es manchmal eine Erleichterung, wenn die fauleren Schüler*innen keine Lösung zurückschicken – was wir bisher nicht konsequent bestrafen. Es gibt bisher keine offizielle Handhabe dafür, denn es gilt, dass „Hausaufgaben“ nicht benotet werden dürfen. Gute Einsendungen habe ich jedoch schon vereinzelt mit guter Note bedacht.

In Woche zwei wird es ein „Streamlining“ der Aufgaben geben. Ich lasse mir alle Aufgaben zuschicken und lade sie in unserem Klassenordner hoch. So sparen wir direkte Kommunikation und jede/r kann im Zweifel die Aufgaben von überall erledigen – auch am Handy ablesen.

Die Situation gestaltet sich bisher bis nach Ostern so. Ob es danach wieder Schule vor Ort geben wird, muss sich zeigen. Sicherlich ist die Situation dann immer noch angespannt, sodass die Schule länger ausgesetzt wird, um das Infektionsrisiko zu senken. Bis dahin werden viele Kolleg*innen sicherlich viel über die digitale Lernsituation gelernt haben (auch ich) und viele Schüler*innen sich mit unserem Lernportal angefreundet haben, um es später vielleicht auch öfter für Hausaufgaben o.ä. zu nutzen.

Ein Gedanke zu “Schule im Homeoffice

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