Reisebericht: Via di Francesco (Teil 4)

Im Jahr der globalen Pandemie zog ich los, um einen lang geplanten Pilgerweg zu laufen. Einige Erlebnisse und Gedanken möchte ich hier festhalten – mit dabei sind überraschende oder erfreuliche Erlebnisse oder grundsätzliche Überlegungen zur Natur des Menschen. Irgendwo dazwischen wird sich diese Reihe bewegen. Außerdem ist es ein schöner Anlass, wieder mehr textlich zu bloggen. Der vierte Teil dreht sich um den Marsch von einem Campingplatz zur ersten Station in einer richtigen Stadt.

Die Nacht war ungemütlich warm in unserer Holzhütte, der Morgen dafür umso angenehmer. Frohen Mutes standen wir auf und machten uns noch im Dunklen auf den Weg in die Natur. Als wir den Campingplatz La Civeta verließen, kroch die Sonne langsam über die Berge. Es war noch frisch und wir wollten den Weg nach Sansepolcro mit so wenig Hitze wie möglich überwinden. Mein Fuß war auch versorgt: Blasenpflaster und Panzertape verschafften mir ein gutes Gefühl, auch wenn ich bei Bergabpfaden immer noch vorsichtig war.

Esel und See

Die ersten Kilometer waren geprägt von Wiesenlandschaft, ein paar sanften Hügeln und Oliven- sowie Obswiesen. Wir begegneten einem Pärchen von Eseln, die gegenüber einer Obstwiese grasten. Dort schnappten wir uns je einen Apfel für den Weg und genossen diese. Obwohl sie klein und recht fest waren, schmeckten sie doch sehr lecker! Die Temperaturen ließen uns auch noch entspannt wandern.

Zusätzlich liefen wir an einem See entlang, den wir schon zuvor auf der Karte entdeckt hatten. Es war der Lago di Montedoglio, der sich sehr lang erstreckt. Er begleitete uns schätzungsweise eine Stunde lang rechter Hand, bevor wir in Richtung Sansepolcro abbogen. Leider waren wir sehr viel auf der Landstraße unterwegs, doch manchmal ist es auch erfreulich, nicht über Stock und Stein laufen zu müssen.

Große Anwesen und Wein

Wenn mensch durch die Toskana läuft, begegnet einem dann doch ab und zu ein ordentliches Anwesen, was wir an diesem (und anderen Tagen) ebenfalls erlebten. Da stehen dann ganze Olivenhaine rundherum, häufig ist ein Pool dabei, manchmal gar ein Bedienstetengebäude. Den Weg zur Pforte säumt dann eine Zypressenallee – so lebt es sich in der Toskana!

Bei Italien kommt einem natürlich zusätzlich Wein in den Sinn. Viele sprechen dem italienischen Wein die höchste Qualität zu – ich kann es als Non-Alkoholiker nicht beurteilen. Allerdings konnte mich selbst der italienische Saft nicht überzeugen, diese Gewohnheit zu ändern. Dennoch begegneten uns viele Weinberge. An einem davon mussten wir pausieren und erfrischten uns mit langweiligem Wasser. Doch in der Ferne konnten wir schon Sansepolcro erblicken!

Heimat Buitonis

Nach ausnahmsweise recht ereignisarmen Kilometern, die wir genossen, erreichten wir fast schneller als gedacht Sansepolcro. Wir hatten auf der Route ein kleines Airbnb entdeckt, das wir schon gebucht hatten. Wir kamen schon fast gegen Mittag an und freuten uns auf eine kalte Dusche und die Erkundung dieser kleinen Stadt. Immerhin war das Örtchen die Heimat der Firma Buitoni! Es versprach also eine traditionelle Kleinstadt mit verwinkelten Gassen zu werden.

Dieses Versprechen hielt die Stadt. Zwar dauerte es ein wenig, bis unser Vermieter die Tür öffnete, doch wir erhielten Einlass in den Palazzo (!). Dort erholten wir uns, duschten, erkundeten den einen oder anderen Raum, z.B. mit einer uralten Küche, und machten uns bereit, noch einmal in die Stadt zu laufen.

Alte Bekannte

Nach dieser kurzen Verschnaufpause machten wir uns auf den Weg und streiften durch die Straßen. Wir wollten natürlich die Häuser und Kirchen sehen. Als erstes stießen wir auf eine recht prunkvolle Kirchenanlage direkt an einem großen Platz. Dies stellte sich als schön, aber doch nicht ganz richtig heraus. Wir entdeckten, dass es die Benediktinerkirche war, die zwar schön, jedoch stilistisch ganz anders als Franziskanerkirchen ist.

Auf der Suche nach ebenjener sollten wir alten Bekannten begegnen. Die beiden Römerinnen, die uns am ersten Tag auf dem Weg nach Pieve Santo Stefano mit Wasser aushalfen, saßen in einem Café mit Unbekannten. Wir dachten, es seien Freunde, doch es stellte sich später heraus, dass einer von ihnen ebenfalls ein Pilger war. Sie gaben uns Tipps, dass wir Stempel auf unseren Pilgerausweisen überall in der Stadt bekämen. Seien es Kirchen mit offiziellen Stempelstellen, Touristikzentren oder auch nahezuh alle Cafés boten dies an. Sofort holten wir uns unseren Stempel für die Sansepolcro in diesem Café und waren froh, die offizielle Stelle nicht suchen zu müssen.

Anschließend liefen wir noch zu einem Supermarkt, um uns mit Essen für den Abend und den kommenden Tag auszustatten. Nach bereits vielen Kilometern am Tag wurden diese nur 1,5 Kilometer aber sehr lang! Trotzdem waren wir sehr gut vorbereitet für den nächsten Tag, der die wohl größte Hürde dieser Reise für uns bereithalten sollte…

Da wir mittags einen kurzen Halt an einem Restaurant einlegten, gibt es zwei Touren: Tour 1, Tour 2.

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