Autor: Daedalost

Der Zweite Weltkrieg in Zahlen

Die Überschrift mag im ersten Moment völlig belanglos klingt, sind doch die Zahlen über Kriegstote im Zweiten Weltkrieg hinreichend bekannt. Außerdem wirken Zahlenkolonnen an Zahlenkolonnen ziemlich langweilig und veranschaulichen doch nicht wirklich das Ausmaß des Schreckens eines Krieges. Doch dieses Video vom Journalisten Neil Halloran schafft durch die grafische Darstellung eine besondere Anschaulichkeit, die nicht nur die europäischen und amerikanischen Toten, sondern auch die Opfer des Asienkrieges berücksichtigt, der in der europäischen Geschichtsschreibung gar nicht so präsent ist. China hatte nach der Sowjetunion die meisten Kriegstoten, schon gewusst?

Nach und nach schlüsselt Halloran in Grafiken auf, in welchen Konflikten welche Zahlen und welche Arten von Opfern fielen. Dabei zählt er nämlich nicht nur militärische, sondern auch zivile Opfer sowie nach Nation geordnet auch Juden, Roma, Behinderte oder Homosexuelle. Er geht auf Besonderheiten wie Stalingrad oder die Belagerung Leningrads ein, das 1,5 Millionen Russen das Leben kostete, weil sie nicht evakuiert wurden. Interessant sind Zahlen der Opfer vor und nach der Invasion der Nazis in europäischen Ländern oder auch das Verhältnis zwischen auf dem Landweg getöteten Menschen und durch Bombardierungen.

So aufgelistet, visualisiert und aneinandergereiht erahnt mensch nach und nach das Grauen des Zweiten Weltkriegs sehr eindrücklich, zumal der Krieg aber in Relation gesetzt wird zu vorherigen und nachfolgenden Konflikten. In jeder Hinsicht lohnt sich dieses Video – und auch der Besuch der Website fallen.io, wo es eine interaktives Video gibt, in dem man bei den Endstatistiken noch einmal Zusatzinformationen abrufen kann.

An dieser Stelle muss ich jedoch noch einmal auf die Sinnhaftigkeit und Einordnung einer solchen statistischen Aufarbeitung eingehen, denn eines der ersten Kommentare unter dem Video postulierte, man solle doch bitte die Ereignisse um 1920-1936 berücksichtigen, um endlich den Krieg zu verstehen.

WWII is a phenomenon best understood by the events leading into it and not by the statistics of the war once it had already begun. The causative developments of WWII occurred during the statistically peaceful period between 1920-36. Understand what happened during this period and you understand what caused the war. The video makes a gargantuan mistake in similarly ignoring what is occurring now such as the Chinese moves on territory amassment in the Pacific, Russian neo-expansion into the Baltics but most critically, the world wide islamic ascendancy gaining ferocity by the day coupled with the forthcoming realization of islamic nukes. In respect of how the video’s narration lulls the audience into an absurd reality of a new world trajectory of lasting peace, it becomes propagandistic by kowtowing to the politicians who try to assure us with this lie.

Dieses Kommentar macht deutlich, dass der Kommentator gar nicht verstanden hat, worum es hier geht. Eine statistische Aufarbeitung ist keine Ursachenforschung und das möchte auch dies hier nicht sein. Es geht um eine Visualisierung nicht um eine historisch korrekte Einordnung des Zweiten Weltkriegs. Dies wurde und wird von HistorikerInnen geliefert, auch von PolitikwissenschaftlerInnen, PhilosophInnen, SoziologInnen, RechtswissenschaftlerInnen und anderen. Hier soll eine breitere Öffentlichkeit die Skala der Kriegsopfer verstehen lernen, Ursachenforschung, historische, politische oder sonstige Einordnung soll nicht direkt geliefert werden. Eine Statistik kann ein Hilfsmittel dazu sein, und dazu ist es wichtig, eine gute und anschauliche Statistik zu haben.

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Masters of Germany

Die Bundestagswahl findet schon in der kommenden Woche statt und der Wahlkampf geht in die finale Phase. Dieser Spot hier schlägt allerdings eine andere Richtung ein und bringt Kindern mit Actionfiguren das politische Personal der Stunde nahe. Sowohl die Bundeskanzlerin als auch Martin Schulz sind vertreten, Sahra Wagenknecht und Lindner kämpfen gegeneinander mit ihren Waffen. Doch im Hintergrund droht noch eine Partei auf der „rechten Flanke“.

Diese Figuren solltet ihr euch wirklich nicht entgehen lassen!

Die Arbeitskraft der Frauen

In einer Diskussion merkt man schnell, von welchen Voraussetzungen ausgegangen wird und wie sie als notwendig hingenommen werden. Wenn Frauen als „ökonomisches Risiko“ verstanden werden, so wird das mit der Natur der Frau begründet. Es könne ja niemand etwas dafür. Dass es eine wirtschaftspolitische Entscheidung ist, das so hinzunehmen, erschließt sich vielen gar nicht. Man kann die Natur der Schwangerschaft anerkennen und dann fragen, wie man Frauen dennoch ökonomisch fair behandeln kann. Statt sie aufgrund unverschuldeter Gegebenheiten zu benachteiligen, kann man sie als wichtigen Gesellschaftsfaktor betrachten.

Selbst wenn man von einer rationalen Nutzenökonomie ausgeht, die nur auf Umsatz- und Gewinnmaximierung ausgerichtet ist, sind die Einflüsse von Frauen in Unternehmen in verschiedenen Positionen, auch und gerade in Führungspositionen, erheblich und hilfreich.

Philosophisch gleicht diese Hinnahme der vermeintlichen Nachteile der Frauen (die Akzeptanz ihrer „Natur“) einem Sein-Sollen-Fehlschluss, den George Edward Moore vielen naturalistischen Theorien attestierte. Deshalb auch naturalistischer Fehlschluss (korrekter: naturalistischer Irrtum, von: natural fallacy) genannt. Aus der Faktizität bestimmer Umstände wird geschlossen, dass es auch gut und richtig so sei und ein wünschenswerter Zustand oder falsch und deshalb etwas geändert werden müsse. Auch David Hume hatte schon darauf hingewiesen, dass man aus einem gegebenen Zustand (ohne zusätzliche Prämissen) nicht auf ein moralisches Gebot oder Verbot schließen dürfe.

Die wertende Prämisse, warum man Frauen jetzt ob ihrer Schwangerschaft berechtigterweise benachteiligen darf, wird unterschlagen. Nach welcher Prämisse darf das so passieren? Aber was komme ich schon mit der Philosophie, als ob sich die Ökonomen dafür interessieren…

Sind Killer-Roboter wirklich das Problem in 2017?

Schon fast zwei Wochen alt, was in diesem Internet ja eine halbe Ewigkeit ist, aber trotzdem lesenswert. Der Artikel Dear Elon, Forget Killer-Robots bezieht sich nämlich auf Maschinen und ihre Lernfähigkeit, was wohl eher ein wissenschaftliches Thema ist, das nicht innerhalb von zwei Wochen irrelevant wird.

Die Autorin Caroline Sinders hält einem fiktiven Elon Musik – ob er den Artikel je gelesen hat, wissen wir nicht – eine kleine Lektion in Sachen Maschinen und, worüber wir uns wirklich Gedanken machen müssen. Musk hatte nämlich vor einiger Zeit davor gewarnt, wir müssten uns vor Robotern in Acht nehmen, die intelligenter würden als Menschen und damit möglicherweise Kriege beginnen würden, um Gewinne für Unternehmen zu maximieren.

Sinders weist jedoch darauf hin, dass wir uns zunächst darüber Gedanken machen müssten, welche aktuellen Probleme Maschinen und ihre Software aufwerfen, beispielsweise fehlerhafte Gesichtserkennungssoftware, für Hacker anfällige Autosoftware, Datenverarbeitung, die Menschen durch fehlerhafte Verknüpfung zu härteren Strafen verurteilt oder auch Software, die ein Problem mit dunkler Hautfarbe oder der Augenform von Asiaten hat.

Das sind nach Sinders Ansicht die tatsächlichen Probleme, mit denen wir uns derzeit auseinandersetzen sollten. Dabei weist sie auch auf einige interessante Studien und Artikel hin – für alle, die sich tiefer für das Thema interessieren.

Herbstfarben in Tohoku (Japan)

Mir bisher unbekannt war die Stadt Tohoku in Japan, die sich im Nordosten der Hauptinsel Honshu befindet. Laut Wikipedia bedeutet Tohoku nicht mehr als „Nordosten“, aber ganz so unspektakulär ist die Stadt dann doch nicht. Dieses Werbevideo, das einerseits das Leben zeigt, andererseits z.T. mit Timelapse-Technik die umgebende Natur, macht wieder einmal deutlich, dass sich ein Besuch in Japan in jedem Falle lohnt.

Die Farben und Landschaften sind toll eingefangen – wessen Gerät es hergibt, der kann sogar eine Auflösung von 4K genießen!

Egoismus und Solidarität beim Menschen

Mich wundert, dass immer noch die Dichotomie „Der Mensch ist im Kern rücksichtsloser Egoist.“ und „Der Mensch ist im Kern sozial und solidarisch.“ aufgemacht wird. Wann kommt endlich die Einsicht, dass beides im Menschen schlummert und sein Verhalten von der Sozialisation und Erfahrungen abhängt?

Zu finden ist diese Frage wieder einmal in einem Interview von Telepolis mit der Linken-Spitzenpolitikerin Sahra Wagenknecht:

Eine Gesellschaft, die auf Egoismus und rücksichtsloser Ellenbogen-Mentalität beruht, ist nicht menschlich, denn der Mensch ist ein soziales Wesen und im Kern eben kein rücksichtsloser Egoist.

Menschen und ihre Charaktere stehen nicht bei der Geburt fest, sondern sie erleben Dinge in ihrem Leben, die sie prägen. Bei manchen entwickelt sich die eine Richtung stärker, bei anderen andere. Eine große Rolle spielen dabei die Lebensumstände der Eltern, wodurch sich Notwendigkeiten entwickeln, bestimmte Charaktereigenschaften zu entwickeln (z.B. Verantwortungsbewusstsein, wenn die Eltern viel außer Haus sind oder kleine Geschwister im Haus). Manche Menschen sind sozialer als andere, manche egoistischer – das ist doch schon ein erster Hinweis darauf, dass es kein Wesen des Menschen gibt, das Egoismus oder Solidarität bevorzugt.

Das sollte auch in der Politik berücksichtigt werden, damit keine unnötigen Utopien oder Dystopien gezeichnet werden, die nicht weiterhelfen.

Tweets des Monats – August 2017

In diesem Monat habe ich tatsächlich ein paar weniger Tweets gefaved. Vielleicht habe ich noch mehr gearbeitet als sonst, vielleicht war auch einfach nicht so viel dabei im August. Trotzdem wird das Zeitgeschehen immer wieder witzig und pointiert kommentiert, wobei ich besonders auf Depressed Darth hinweisen möchte, der die Nicht-Verurteilung von Nazis durch Donald Trump sehr treffend in seinen eigenen Metaphern darstellt. Auch die angesprochene Dystopie in Scott Hanselmans Tweet über das Assistenzgerät Alexa regt zum Denken an, wie wir mit Technologie umgehen. Aber auch der Humor fehlt – wie immer – nicht!