Tweets des Monats – Oktober 2017

Schon wieder ein Monat vorbei – das Jahr rast nur so! Neben Koalitionsverhandlungen, Niedersachsenwahl, Österreichwahl und anderen politischen Themen dominierte meine Timeline im Oktober der Schabernack. Trotz aller deprimierenden Themen in der Weltpolitik verlieren die Leute nicht ihren Humor, und das gefällt mir an Twitter! Schaut einfach durch und haut mir gern auch in die Kommentare, was ich vergessen oder übersehen haben könnte.

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Durchgeknallt

Ich hatte vor Jahren mit einer Freundin ein Gespräch über durchgeknallte Menschen. Sie studierte den interdisziplinären Studiengang Psychologie-Neurowissenschaften-Kognitionswissenschaften, wo es einige Anteile Philosophie gibt – weshalb wir in einer Vorlesung trafen.

Sie berichtete mir also von einem Vortragenden, einem Professor, der psychologische Theorien, Interpretationen und anderes präsentierte. Das sei ganz schön durchgeknalltes Zeug gewesen, meinte sie. Ich erwiderte, dass er als Psychologie-Professor selbstverständlich durchgeknallt sei, und erzählte von einem Text von G.E. Moore zum Thema Willensfreiheit, der in der zentralen Textpassage folgenden Satz enthielt:

Wenn wir sagen, wir hätten etwas tun können, das wir nicht getan haben, wenn wir uns dazu entschieden hätten, dann meinen wir vielleicht mit der Aussage, dass wir uns dazu hätten entscheiden können, lediglich, dass wir uns so entschieden haben würden, wenn wir uns entschieden hätten, diese Entscheidung zu treffen.

Ohne Frage ein bemerkenswerter Satz. Ich setzte hinzu, dass irgendwie doch alle Professoren bzw. höheren Akademiker die eine oder andere Schraube locker hätten. Sie frug: „Auch Dr. [Soundso]?“ Ich antwortete: „Selbstverständlich! Denk‘ mal daran, wie versessen der auf Textarbeit und -belege ist und wie genau der Kant kennt. Seine Vorträge über Kant sind far away from normal!“ – „Stimmt.“

Ich resümierte, dass man ohne eine gewisse Macke sich keinem Thema so verschreiben kann wie ein Akademiker es mit seinem Forschungsgebiet tut. Ich ging sogar weiter: Jeder hat auf seine bestimmte Weise eine Schraube locker. Jeder hat mindestens eine Charaktereigenschaft, die jemand anderes bemerkenswert, vielleicht sogar befremdlich findet.

Vielleicht ist sie auch einfach nur nett und liebenswert, aber außergewöhnlich. Das hat unmittelbar mit der Wahrnehmung der Menschen untereinander zu tun: Sie unterscheiden sich manchmal punktuell, manchmal grundsätzlich auf so krasse Weise voneinander, dass ihre Wahrnehmung voneinander häufig darauf hinausläuft, den anderen als irgendetwas Besonderes zu bewerten – ob positiv oder negativ ist gar nicht so wichtig dabei. Es ist dabei egal, ob man jemanden besonders gut kennt oder nur oberflächlich – man erkennt Macken oft recht schnell und schreibt sie jemandem zu.

Dazu kommt eine Besonderheit bei der Charakterbildung: Durch Schlüsselereignisse werden bestimmte Werte, Ideen, Handlungen o.ä. für einen Menschen zu einem besonders wichtigen Punkt. Daher streben Menschen meist einem bestimmten Ziel zu, vermeiden bestimmte Handlungen (ja, fast ein Vermeidungsverhalten nach Mowrer und Miller) oder legen Wert auf gewisse Regeln. Dies wirkt für andere fast immer als „Macke“, ist aber nichts als ein Vermeiden von früheren Negativerfahrungen oder Wiederholung von Erfolgserlebnissen.

Niemand ist durchschnittlich – irgendwo weicht man immer ab. So gesehen sind wir also alle durchgeknallt!

Tweets des Monats – September 2017

Aufgrund eines Kurzurlaubs habe ich meine Tweets des Monats aufgeschoben. Doch nun ist es mir vergönnt, sie zusammenzustellen, wobei natürlich auffällt, dass bestimmte Themen wie die Bundestagswahl dominieren. Ansonsten gibt es den üblichen Schabernack, Wortspiele und manchmal auch Geistreiches. Schaut es euch durch!

 

Der Zweite Weltkrieg in Zahlen

Die Überschrift mag im ersten Moment völlig belanglos klingt, sind doch die Zahlen über Kriegstote im Zweiten Weltkrieg hinreichend bekannt. Außerdem wirken Zahlenkolonnen an Zahlenkolonnen ziemlich langweilig und veranschaulichen doch nicht wirklich das Ausmaß des Schreckens eines Krieges. Doch dieses Video vom Journalisten Neil Halloran schafft durch die grafische Darstellung eine besondere Anschaulichkeit, die nicht nur die europäischen und amerikanischen Toten, sondern auch die Opfer des Asienkrieges berücksichtigt, der in der europäischen Geschichtsschreibung gar nicht so präsent ist. China hatte nach der Sowjetunion die meisten Kriegstoten, schon gewusst?

Nach und nach schlüsselt Halloran in Grafiken auf, in welchen Konflikten welche Zahlen und welche Arten von Opfern fielen. Dabei zählt er nämlich nicht nur militärische, sondern auch zivile Opfer sowie nach Nation geordnet auch Juden, Roma, Behinderte oder Homosexuelle. Er geht auf Besonderheiten wie Stalingrad oder die Belagerung Leningrads ein, das 1,5 Millionen Russen das Leben kostete, weil sie nicht evakuiert wurden. Interessant sind Zahlen der Opfer vor und nach der Invasion der Nazis in europäischen Ländern oder auch das Verhältnis zwischen auf dem Landweg getöteten Menschen und durch Bombardierungen.

So aufgelistet, visualisiert und aneinandergereiht erahnt mensch nach und nach das Grauen des Zweiten Weltkriegs sehr eindrücklich, zumal der Krieg aber in Relation gesetzt wird zu vorherigen und nachfolgenden Konflikten. In jeder Hinsicht lohnt sich dieses Video – und auch der Besuch der Website fallen.io, wo es eine interaktives Video gibt, in dem man bei den Endstatistiken noch einmal Zusatzinformationen abrufen kann.

An dieser Stelle muss ich jedoch noch einmal auf die Sinnhaftigkeit und Einordnung einer solchen statistischen Aufarbeitung eingehen, denn eines der ersten Kommentare unter dem Video postulierte, man solle doch bitte die Ereignisse um 1920-1936 berücksichtigen, um endlich den Krieg zu verstehen.

WWII is a phenomenon best understood by the events leading into it and not by the statistics of the war once it had already begun. The causative developments of WWII occurred during the statistically peaceful period between 1920-36. Understand what happened during this period and you understand what caused the war. The video makes a gargantuan mistake in similarly ignoring what is occurring now such as the Chinese moves on territory amassment in the Pacific, Russian neo-expansion into the Baltics but most critically, the world wide islamic ascendancy gaining ferocity by the day coupled with the forthcoming realization of islamic nukes. In respect of how the video’s narration lulls the audience into an absurd reality of a new world trajectory of lasting peace, it becomes propagandistic by kowtowing to the politicians who try to assure us with this lie.

Dieses Kommentar macht deutlich, dass der Kommentator gar nicht verstanden hat, worum es hier geht. Eine statistische Aufarbeitung ist keine Ursachenforschung und das möchte auch dies hier nicht sein. Es geht um eine Visualisierung nicht um eine historisch korrekte Einordnung des Zweiten Weltkriegs. Dies wurde und wird von HistorikerInnen geliefert, auch von PolitikwissenschaftlerInnen, PhilosophInnen, SoziologInnen, RechtswissenschaftlerInnen und anderen. Hier soll eine breitere Öffentlichkeit die Skala der Kriegsopfer verstehen lernen, Ursachenforschung, historische, politische oder sonstige Einordnung soll nicht direkt geliefert werden. Eine Statistik kann ein Hilfsmittel dazu sein, und dazu ist es wichtig, eine gute und anschauliche Statistik zu haben.

Masters of Germany

Die Bundestagswahl findet schon in der kommenden Woche statt und der Wahlkampf geht in die finale Phase. Dieser Spot hier schlägt allerdings eine andere Richtung ein und bringt Kindern mit Actionfiguren das politische Personal der Stunde nahe. Sowohl die Bundeskanzlerin als auch Martin Schulz sind vertreten, Sahra Wagenknecht und Lindner kämpfen gegeneinander mit ihren Waffen. Doch im Hintergrund droht noch eine Partei auf der „rechten Flanke“.

Diese Figuren solltet ihr euch wirklich nicht entgehen lassen!

Die Arbeitskraft der Frauen

In einer Diskussion merkt man schnell, von welchen Voraussetzungen ausgegangen wird und wie sie als notwendig hingenommen werden. Wenn Frauen als „ökonomisches Risiko“ verstanden werden, so wird das mit der Natur der Frau begründet. Es könne ja niemand etwas dafür. Dass es eine wirtschaftspolitische Entscheidung ist, das so hinzunehmen, erschließt sich vielen gar nicht. Man kann die Natur der Schwangerschaft anerkennen und dann fragen, wie man Frauen dennoch ökonomisch fair behandeln kann. Statt sie aufgrund unverschuldeter Gegebenheiten zu benachteiligen, kann man sie als wichtigen Gesellschaftsfaktor betrachten.

Selbst wenn man von einer rationalen Nutzenökonomie ausgeht, die nur auf Umsatz- und Gewinnmaximierung ausgerichtet ist, sind die Einflüsse von Frauen in Unternehmen in verschiedenen Positionen, auch und gerade in Führungspositionen, erheblich und hilfreich.

Philosophisch gleicht diese Hinnahme der vermeintlichen Nachteile der Frauen (die Akzeptanz ihrer „Natur“) einem Sein-Sollen-Fehlschluss, den George Edward Moore vielen naturalistischen Theorien attestierte. Deshalb auch naturalistischer Fehlschluss (korrekter: naturalistischer Irrtum, von: natural fallacy) genannt. Aus der Faktizität bestimmer Umstände wird geschlossen, dass es auch gut und richtig so sei und ein wünschenswerter Zustand oder falsch und deshalb etwas geändert werden müsse. Auch David Hume hatte schon darauf hingewiesen, dass man aus einem gegebenen Zustand (ohne zusätzliche Prämissen) nicht auf ein moralisches Gebot oder Verbot schließen dürfe.

Die wertende Prämisse, warum man Frauen jetzt ob ihrer Schwangerschaft berechtigterweise benachteiligen darf, wird unterschlagen. Nach welcher Prämisse darf das so passieren? Aber was komme ich schon mit der Philosophie, als ob sich die Ökonomen dafür interessieren…

Sind Killer-Roboter wirklich das Problem in 2017?

Schon fast zwei Wochen alt, was in diesem Internet ja eine halbe Ewigkeit ist, aber trotzdem lesenswert. Der Artikel Dear Elon, Forget Killer-Robots bezieht sich nämlich auf Maschinen und ihre Lernfähigkeit, was wohl eher ein wissenschaftliches Thema ist, das nicht innerhalb von zwei Wochen irrelevant wird.

Die Autorin Caroline Sinders hält einem fiktiven Elon Musik – ob er den Artikel je gelesen hat, wissen wir nicht – eine kleine Lektion in Sachen Maschinen und, worüber wir uns wirklich Gedanken machen müssen. Musk hatte nämlich vor einiger Zeit davor gewarnt, wir müssten uns vor Robotern in Acht nehmen, die intelligenter würden als Menschen und damit möglicherweise Kriege beginnen würden, um Gewinne für Unternehmen zu maximieren.

Sinders weist jedoch darauf hin, dass wir uns zunächst darüber Gedanken machen müssten, welche aktuellen Probleme Maschinen und ihre Software aufwerfen, beispielsweise fehlerhafte Gesichtserkennungssoftware, für Hacker anfällige Autosoftware, Datenverarbeitung, die Menschen durch fehlerhafte Verknüpfung zu härteren Strafen verurteilt oder auch Software, die ein Problem mit dunkler Hautfarbe oder der Augenform von Asiaten hat.

Das sind nach Sinders Ansicht die tatsächlichen Probleme, mit denen wir uns derzeit auseinandersetzen sollten. Dabei weist sie auch auf einige interessante Studien und Artikel hin – für alle, die sich tiefer für das Thema interessieren.