Tweets des Monats – April 2020

In Wahrheit weiß niemand, wie lang der April war. Schon der März fühlte sich an wie 50 Tage, nun dagegen habe ich vermutlich 200 Tage April gehabt. An jedem Tag passierte so viel und ich wusste manchmal gar nicht, wo mir der Kopf stand. Trotz allem habe ich – glaube ich – meinen Verstand behalten und mir trotz Infektionsschutz doch das eine oder andere Mal an den Kopf gefasst. Es gab so viele, vor allem politische, Momente, die ich nicht fassen konnte, die spiegeln sich auch in meinen Tweets des Monats wieder.

Sicher gibt es viel #COVID-19, allerdings suche und finde ich auch immer wieder die kleinen Lichtblicke des – guten – Wahnsinns. Oder sie finden mich.

 

 

Tweets des Monats – März 2020

 

Die Tweets des letzten Monats werden präsentiert von: COVID-19 oder auch SARS-Cov-2 oder auch Coronavirus. Viel hat sich verändert, teilweise auch Twitter. Das bestimmende Thema der privaten und öffentlichen Kommunikation ist die Pandemie – und dennoch schaffen es Twitterer immer wieder, das zu durchbrechen. Eine schöne Abwechslung!

Egal, wie es euch geht, lasst euch die Tweets des Monats gefallen.

 

Einsamkeit in Zeiten der Einsamkeit

Viele von uns erfahren gerade neu, was es heißt, zu Hause zu bleiben, zu Hause nicht verlassen zu können, den Kontakt zu anderen nicht suchen zu können. Viele machen dabei neue Erfahrungen mit Zeit, die sich mit sich verbringen, und auch mit sich selbst. Daher passt es, dass meine gute Freundin Jane drüben in ihrem Blog mal wieder etwas geschrieben hat. Diesmal geht es um Einsamkeit – einen Begriff, den sie erst einmal zerlegt, um seiner habhaft zu werden. Mensch liest aus ihren Worten heraus, dass noch nicht alles fertig ist, es sind Gedankenansätze, aber die sind allemal spannend!

Ab dem Mittelalter ging man bei „solitudo“  jedoch davon aus, dass der Mensch (bzw. Mönch), der alleine war, seine Weltverbindung mitnahm.  Weltverbindung, das wäre heute wahrscheinlich  das Smartphone (aber Internet ist auch nicht überall in Brandenburg – also in meinem Elternhaus, am Schreibtisch meines Kinderzimmers war noch nie funktionierendes Internet). Im positiven Sinne bezeichnete „solitudo“  auch die  „Rückzugsphase“ vor der (Menschen-)Menge.

Während Jane sich also dem Begriff nähert, wirft sie immer mal wieder Nebenbemerkungen ein, die die Lesenden ins Hier und Jetzt zurückholen. Erhellend und zugleich unterhaltsam!

(Foto: Patrick C., Certitude solitude, CC 2.0)

Schule im Homeoffice

Seit fast genau einer Woche geschieht die Schularbeit von zu Hause aus. Wir sind angehalten, keine Gruppentreffen von Lehrern abzuhalten und auch den Schüler*innen keine Gruppenaufgaben zu erteilen. Es schleicht sich ein ganz anderes Gefühl von Schularbeit ein – einerseits weniger stressig, andererseits noch etwas unsicher. Woran liegt das?

Zum einen ist die Fernsituation natürlich weniger körperlich belastend. Täglich in einem Klassenraum mit rund 25-30 Schüler*innen zu stehen, lässt häufig keine Minute der Ruhe zu. Gerade auch in den jüngeren Jahrgängen 5., 6., 7. Klasse belastet es psychisch, sich immer wieder einen Moment der konzentrierten Arbeit zu erkämpfen. Und da kann jeder Wald- und Wiesenpädagoge kommen, es hat nicht allein mit der Lehrkraft zu tun, sondern mit vielen anderen – auch privaten – Faktoren bei Kindern und Lehrfach.

Musikunterricht habe ich in meiner eigenen Klasse beispielsweise alle zwei Wochen in der 7./8. Stunde. Freitags. Wer schon einmal 11-13-jährige Kinder freitags in der 7./8. Stunde unterrichtet hat, mag sich das gern vorstellen. Wer nicht, mag sich gern etwas ausmalen. Es ist jedenfalls nicht einfach, fachbezogenen, inhaltlich anspruchsvollen Unterricht zu dieser Tageszeit durchzuführen. In der Folgewoche haben die Kinder freitags 7./8. Stunde Geschichte. Die Kollegin teilt das gleiche Schicksal – zumal Geschichte in Sachsen-Anhalt an Gesamtschulen eine Sonderrolle für den Gymnasialzweig einnimmt.

Nun ändert sich das also, denn jede*r Schüler*in ist nun allein zu Hause und bekommt die Fachaufgaben per Mail übermittelt. Es ist zum einen schwerer allein zu lernen, wenn nicht jemand aus der Klasse oder direkt der Lehrer hilft. Es zum anderen aber deutlich weniger Ablenkung und „Sozialsituation“, in der sich jeder beweisen müsste. So habe ich von einigen konzentrationsschwachen Schülern*innen schon in der ersten Woche außerordentlich gute Arbeiten zugeschickt bekommen.

Die Schwierigkeiten dagegen sind natürlich Kommunikationswege und die ungewohnte Situation der selbständigen Lerneinteilung. Wir senden die Aufgaben wöchentlich an die Schüler*innen, sodass am Montag klar sein sollte, was bis Freitag erledigt sein sollte. Das ist ein großer Zeitraum zur Einteilung, vor allem für die Jüngeren.

Vom Land gibt es keine Vorgaben für die Kommunikationswege. Die digitale Infrastruktur ist auch in jeder Schule unterschiedlich: Wir nennen glücklicherweise ein Lernportal mit eigener Mail-Adresse für jedes Schulmitglied unser eigen. In anderen Schulen dagegen muss dies über private E-Mail gelöst werden. Mensch kann allerdings gerade von den Jüngeren noch nicht erwarten, dass sie eine eigene Mail-Adresse ihr eigen nennen. Zudem müssen die Lehrer*innen auch an diese Adressen herankommen – was in Zeiten des Datenschutzes nicht immer einfach ist. Die Schulen selbst dürfen Kontaktadressen nur mit Zustimmung der Erziehungsberechtigten führen.

Zudem darf mensch sich das E-Mail-Aufkommen einer Klasse vorstellen, die mit rund 10 Fächern (Fachlehrern) und 25 Schüler*innen bestückt ist. Wenn es hier kein Lernportal mit Server gibt, sodass auf Aufgaben zugegriffen werden kann und Lösungen hochgeladen werden können, ist mensch täglich im zwei- bis dreistelligen Mail-Bereich. Auch die Mails eines einzelnen Lehrers / einer Lehrerin mit rund 10 Klassen, also 250-300 Schüler*innen, wird täglich unübersichtlicher. Da ist es manchmal eine Erleichterung, wenn die fauleren Schüler*innen keine Lösung zurückschicken – was wir bisher nicht konsequent bestrafen. Es gibt bisher keine offizielle Handhabe dafür, denn es gilt, dass „Hausaufgaben“ nicht benotet werden dürfen. Gute Einsendungen habe ich jedoch schon vereinzelt mit guter Note bedacht.

In Woche zwei wird es ein „Streamlining“ der Aufgaben geben. Ich lasse mir alle Aufgaben zuschicken und lade sie in unserem Klassenordner hoch. So sparen wir direkte Kommunikation und jede/r kann im Zweifel die Aufgaben von überall erledigen – auch am Handy ablesen.

Die Situation gestaltet sich bisher bis nach Ostern so. Ob es danach wieder Schule vor Ort geben wird, muss sich zeigen. Sicherlich ist die Situation dann immer noch angespannt, sodass die Schule länger ausgesetzt wird, um das Infektionsrisiko zu senken. Bis dahin werden viele Kolleg*innen sicherlich viel über die digitale Lernsituation gelernt haben (auch ich) und viele Schüler*innen sich mit unserem Lernportal angefreundet haben, um es später vielleicht auch öfter für Hausaufgaben o.ä. zu nutzen.

Die Schule lässt nicht locker

– Dieser Beitrag ist im Januar entstanden und heute beendet. –

Ich komme nicht oft dazu, hier etwas über die Schule zu schreiben. Interessant ist, dass es gerade an der Schule liegt, wo so viel passiert, dass ich nicht dazu komme, etwas darüber zu schreiben. Allerdings ein paar Schlaglichter aus dem ersten Halbjahr:

  1. Auch im zweiten Jahr der Klassenleitung lerne ich neue Dinge.
  2. Ein Kind war in einer kinderpsychiatrischen Anstalt und einer angeschlossenen Schule. Er hatte zuvor massive Probleme, Aufgaben und Hinweise anzunehmen. Die Interaktion mit anderen Schüler*innen fiel ihm ebenfalls schwer. Wir machten uns Sorgen, wie er auf die Klasse einwirken würde – und überraschte uns vollkommen! Er war nicht nur von Beginn an einer der verständigsten und kommunikativsten Schüler, sondern wurde auch schnell von der Klasse angenommen bzw. zum Klassensprecher gewählt.
  3. Klassenarbeiten kannst du noch so gut planen. Wenn du nach zwei Monaten neue Klassen hast, musst du dir neue Gedanken machen, wann du die Klassenarbeiten schreibst.
  4. Wenn du gut vorplanst, machst du die Zeugnisbemerkungen über Weihnachten (ja, Weihnachtsferien!)  fertig und brauchst nicht im Januar hektisch etwas zusammenschreiben.
  5. Dass jemand einen Förderbedarf hat (also rein theoretisch Förderschüler*in ist), sagt nur bedingt über die Leistungsfähigkeit des Kindes aus. Es kann auch konsistent seit der 5. Klasse Klassenbeste sein.

Bemerkenswert ist auch ein Vorfall, weshalb ich im Januar nicht schaffte, diesen Beitrag weiterzuschreiben. Wir hatten eine Klassenkonferenz bzw. zwei für zwei Schüler einer 7. Klasse, die einer Mitschülerin im Unterricht eine Rippe brachen. Das entstand folgendermaßen:

Die Mitschülerin ist mit den Jungen gut befreundet. Sehr regelmäßig krault sie den beiden Jungen den Rücken im Unterricht. An diesem Tag wollte sie dies nicht machen, aber die Jungen wollten sie dazu animieren. Dazu standen sie auf und gingen trotz gegenteiliger Aufforderung der Lehrerin im Klassenraum zu ihr. Sie schlugen ihr leicht auf den Rücken, um sie zu motivieren. Dabei muss eine Rippe gebrochen sein, denn noch am gleichen Tag klagte die Schülerin über Atemnot und wurde abends in der Notaufnahme behandelt.

Die Schüler erhielten eine entsprechende Strafe, jedoch zeigten sie unterschiedliches Verhalten: Während der eine bei einer Stellungnahme (die Schüler haben immer zuerst das Wort) Reue zeigte, sich für sein Verhalten entschuldigte und in Aussicht stellte, besser auf die Lehrerin zu hören, hatte der andere gar nichts zu sagen. Auf Nachfrage, ob er sein Verhalten einmal darstellen und reflektieren wolle, sagte er ebenfalls: Nein, das sei so nicht nötig. Die Mutter hingegen machte der Lehrerin Vorwürfe, die Schulleitung hätte viel zu spät über den Vorfall informiert und überhaupt sei der Schüler ja kaum Schuld, denn er konnte ja nicht wissen, dass er der Mitschülerin eine Rippe bräche. Auf Fehlverhalten des Jungens, dass er grundsätzlich niemanden schlagen sollte, ging sie nicht ein.

An fast jedem Mittwoch hielten mich diese und ähnliche Konferenzen bis 16 oder 17 Uhr in der Schule. Wenn ihr also an Lehrer*innen denkt, denkt daran, dass es mit dem Unterricht allein nicht erledigt ist.

Tweets des Monats – Februar 2020

Das Jahr schreitet voran und wir tun es auch. Wer dachte, 2019 wäre ein politisch verrücktes Jahr gewesen, wurde im Jahr 2020 schon auf kommende Absurditäten vorbereitet – z.B. mit der Wahl eines FDP-Ministerpräsidenten. Bei einem Wahlergebnis der FDP von 5%. Mit Stimmen der AfD-Abgeordneten, wovor schon vor der Wahl gewarnt wurde. Mit der Verteidigung, das wäre aus Versehen passiert. Mit Annahme der Wahl durch den FDP-Kandidaten, was sicherlich auch aus Versehen passierte.

Genauso aus Versehen erschoss ein mutmaßlicher Rechtsterrorist mehrere Menschen, die er für unwürdig erachtete. Das muss Zufall gewesen sein und hat nichts mit der politischen Kultur im Land zu tun.

Dass diese Themen zwei der Wichtigsten im Meinungskampf auch auf Twitter war, dürfte einleuchten. Aber selbstverständlich blieben Schabernack, Witze und Weisheiten nicht auf der Strecke. Es ist also wieder für jeden etwas dabei!

 

Colin Browning beschwert sich über Einwanderung

Colin Browning nennt sich selbst Brexiteer. Nun reiste er nach Amsterdam (Schiphol) und musste fast eine Stunde in der Warteschlange am Einwanderungsbüro warten. Er beschwert sich, er hätte nicht für diesen Brexit gestimmt, vergisst dabei aber, dass immer genau diese Szenarien angesprochen wurden.