Schule Nr. 2 – Halbjahreszeugnisse

Vor über einem halben Jahr kündigte ich hier mehr Texte, v.a. zum Thema Schule an. Tja, war wohl nichts! Aber ich bemühe mich, wenigstens in meinen Weihnachtsferien etwas zu schreiben. Wie katastrophal manche Schulsituationen sind, könnt ihr im Beitragsbild sehen. Dies ist ein Text, den mehrere Kinder zusammen mitten im Unterricht geschrieben haben, der aber sowohl grammatikalisch als auch syntaktisch, orthographisch und auf sonstwelche Weisen ganz grauenhaft ist.

Ich habe im letzten Halbjahr viel gelernt, meine erste eigene Klasse und muss daher nun meine ersten Beurteilungstexte dafür schreiben. Sicher ist noch kein Notenschluss, doch die meisten Kinder kann mensch schon einschätzen. Nach Anregung meiner Freunde auf Twitter möchte ich daher einige Hintergründe dazu preisgeben, natürlich völlig anonym. Hier sind also einige Texte und darauffolgend die ehrliche Variante.

Schülerin 1

[…] ist ein aufgewecktes und interessiertes Kind. Sie hat sich gut in die Klasse eingefunden, doch neigt sie dazu, dies im Unterricht zur Ablenkung zu nutzen. Insgesamt zeigt […] gute Leistungen, könnte sich jedoch durch höhere Konzentration bessere Ergebnisse erarbeiten. Besondere Reserven hat sie bei leichteren Aufgaben, in denen sie durch mehr Fleiß mehr erreichen könnte.

Übersetzt:

[…] spricht ohne Unterlass, packt ihre Sachen erst nach der Schulklingel aus und sucht im Unterricht ständig nach Ablenkung. Sie hat zwar Freunde, aber die tun ihr nicht gut. Sie kann zwar ein bisschen was, aber im Grunde ist es ziemlich mittelmäßig. Und faul ist sie auch noch!

Schülerin 2

[…] begann das Schuljahr als ruhige Schülerin, fand jedoch schnell Freunde. Durch ihre freundliche Art entwickeln sich selten Konflikte. Sie gehört zu den reiferen Persönlichkeiten, die teils schon gefestigte Ansichten hat. Dadurch ist […] jedoch nicht vor der unruhigen Klassensituation gefeit und lässt sich hier von Mitschülern anstecken. Insgesamt zeigt sie gute bis sehr gute Leistungen. Wenn sie bei ihrer Lerneinstellung bleibt, wird sie diese auch im zweiten Halbjahr beibehalten können.

Übersetzt:

[…] ist furchtbar zurückhaltend, hat aber irgendwie trotzdem Freunde gefunden. Sie bietet so wenig Angriffsfläche, dass niemand überhaupt wüsste, worüber er/sie mit ihr streiten sollte. Trotzdem schafft sie es nicht, ihre Klappe zu halten, wenn um sie herum gesprochen wird. Wenn das so weitergeht, sinken ihre Leistungen!

Schülerin 3

[…] ist eine interessierte und leistungsfähige Schülerin, die viele Aufgaben mit Beständigkeit und Kreativität löst. Es gelingt ihr auch bei Aufgaben, die verschiedene Anforderungen verknüpfen, gute Ergebnisse zu erzielen. Ihre Motivation wird jedoch begleitet von einem großen Mitteilungsdrang, der sie selbst und Mitschüler ablenkt. […]s freundliche Art ist ein Zugewinn für das Klassenklima. Manchmal zieht sie sich in Konfliktsituationen in sich zurück. Wenn sie dann das Gespräch suchen würde, entstünden für sie gefestigtere Beziehungen.

Übersetzt:

[…] kann so einiges und interessiert sich für vieles und hat manchmal verrückte Ideen. Selbst das Verrückte ergibt aber am Ende irgendwie Sinn. Auf der anderen Seite ist sie eine furchtbare Labertasche, die andere ständig ablenkt. Sie ist zwar freundlich, aber kann nicht mit Konflikten umgehen – eine furchtbar sensible Heulsuse!

Schüler 4

[…] erlebt in verschiedenen Situationen des vergangenen Halbjahres, wie seine Arbeitseinstellung Einfluss auf seine Ergebnisse hat. Sobald er Motivation und Leistungswillen zeigt, entdeckt er seine echte Leistungsfähigkeit, die sich in entsprechenden Bewertungen niederschlägt. Leider gelingt ihm dies zu selten, sodass er oft hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt. Häufig überträgt er seine Unkonzentriertheit auch auf Mitschüler, die hin und wieder deshalb mit ihm in Konflikt geraten, da sie dies nicht wünschen. Sozial kommt […] mit seinen Freunden gut aus, ihm fehlt jedoch die Empathie für den Umgang mit anderen Schülern der Klasse, die ihm gegenüber dann Unverständnis äußern.

Übersetzt:

[…] ist ein fauler Sack. Wenn er mal den Arsch hoch bekommt, entsteht aber wenigstens ein halbwegs akzeptables Ergebnis. Trotzdem ist er ein fauler Sack und versucht damit auch noch seine Mitschüler anzustecken, die ihm aber dafür am liebsten mal eine reinhauen würden. Er hat zwar vermeintlich „coole“ Freunde gefunden, aber gegenüber allen anderen verhält er sich wie ein Arschloch!

Aber natürlich konnte ich auch viele positive Bewertungen schreiben, als Beispiel möchte ich nur meine beste Schülerin anführen:

[…] ist eine sehr gewissenhafte und lernwillige Schülerin, die Aufgaben schnell und präzise bearbeitet. Sie zeigt sowohl im Unterricht als auch in sozialen Situationen vorbildliches Verhalten. Konflikte versucht sie im Interesse beider Parteien zu lösen und sucht auch die Hilfe von außen. Zwar ist sie insgesamt zurückhaltend, hat jedoch einige Freunde im Klassenverband gefunden, mit denen sie auch in Gruppenarbeiten gute Ergebnisse erzielt. […] gehört damit zur Leistungsspitze der Klasse.

Hier kann ich nichts übersetzen, da alles so gemeint ist, wie ich es formuliert habe. Fun fact: Die Schülerin hat einen diagnostizierten Förderbedarf „Sprache“, aber ist nun mal so gewissenhaft, fleißig, aufmerksam und dazu klug, dass sie alle anderen überflügelt. Sie steht in jedem Hauptfach um die 1,5-Marke.

Nun bin ich froh, dass die Hälfte dieser Arbeit schon einmal weg ist und warte auf den Notenschluss am 18. Januar. Bis dahin habe ich allerdings noch einige Tests und sogar eine Klassenarbeit vor mir…

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Was bedeutet Einsamkeit?

In der modernen Gesellschaft stieg Statistiken zufolge das Gefühl der Einsamkeit in den letzten Jahren. Warum ist das der Fall? Welche Faktoren spielen dort eine Rolle?

Dieses 11-minütige Video von Dinge erklärt – Kurzgesagt (ein Dienst von funk) bezieht Forschung aus der Evolutionsbiologie, Psychologie und anderen Wissenschaftsgebieten mit ein, um sich dem Thema zu nähern. Mir gefällt, wie schon früh der Unterschied zwischen Alleinsein und Einsamkeit deutlich gemacht wird, sodass die Erklärungen auch nicht in eine irreführende Richtung laufen. Am Ende gibt es auch Hinweise, wie Einsamkeit bekämpft werden könnte, die allerdings oberflächlich bleiben. Trotzdem ist es ein insgesamt gelungenes Video mit hilfreichen Informationen!

[via Gilly]

Alexander Gerst an seine Enkel

Dr. Alexander Gerst ist wohl einer der bekanntesten Astronauten und nutzt diese Aufmerksamkeit immer mal wieder für Anregungen an seine Mitmenschen, z.B. auf Twitter. Vor kurzem erst erreichte er nach knapp über einem halben Jahr im All wieder die Erde, aber kurz zuvor nahm er noch ein Video auf. In diesem richtete er sich an seine noch nicht geborenen Enkel, spricht über die Situation der Menschheit und des Planeten. Dabei erinnert Gerst uns wieder einmal daran, welche Verpflichtungen wir immer wieder vernachlässigen und welche falschen Ziele wir verfolgen. Es lohnt sich jedenfalls, die knapp über 5:30 min anzuschauen!

Tweets des Monats – Dezember 2018

Der letzte Monat des Jahres verging wie üblich wie im Fluge. Die Arbeit häufte sich bei mir, sodass ich sehr viel weniger als in den letzten Jahren bewusste Zeit auf Twitter verbringen konnte. Es lief aber in Pausen und nebenher immer mal wieder mit. Ein bisschen ist also hängengeblieben und natürlich sind auch einige Perlen dabei!

Tweets des Monats – November 2018

Ehe mensch sich versieht, ist das Jahr fast vorbei und ich sammle schon meine Lieblings-Tweets des Novembers! Die Themen waren wie immer breit gestreut: Von den Nachwirkungen der Entlassung Hans-Georg Maaßens bis hin zum nahenden Weihnachten war vieles dabei. Lasst sie euch munden!

Bewegungen um ein schwarzes Loch

Schwarze Löcher sind für Hobby- und professionelle Astronomen seit Jahrzehnten ein Faszinosum. Sie sind jedoch ein großes Problem für die Astronomie, die auf sichtbarem Licht basiert, da sie nunmal so dunkel sind. Jedoch gibt es auch die Radioastronomie, die elektromagnetische Strahlung außerhalb des für uns sichtbaren Lichts misst. Eine Gruppe von Astronomen der ESA hat nun einige Aufnahmen vom Zentrum unserer Galaxie getätigt, die sie schließlich zu einem Video zusammengefügt hat. Darin sind Bilder, die Objekte mit 30%iger Lichtgeschwindigkeit zeigen, die ein weiteres Objekt umkreisen – vermutlich das supermassive schwarze Loch. Wer sich das schwer vorstellen kann: Das sind 89.999,1 km/s, aber auch das ist sicher nicht sehr anschaulich. Trotzdem ist diese Geschwindigkeit ein Indiz dafür, dass das schwarze Loch existiert, denn nur große Massen/Gravitationskräfte können diese Geschwindigkeiten hervorrufen.

Wenn mensch sich ein wenig beliest, erfährt mensch, dass es im Umkreis von Sagittarius A*, wie das supermassive schwarze Loche genannt wird, wohl mehrere kleine schwarze Löcher gibt, die Massen binden, die sie dann dem größeren Loch zuführen. In jedem Fall solltet ihr einmal in das Video reinschauen!

(via futurezone)

Tweets des Monats – Oktober 2018

Schon über zehn Monate ist 2018 alt und die Arbeit frisst mich weiterhin auf. Ich hätte so vieles zu (be-)schreiben und komme hier nicht dazu. Kurze Nachrichten wie auf Twitter sind hin und wieder möglich, daher tummle ich mich dort auch noch regelmäßig – wenn auch bei weitem nicht mehr so oft wie früher. Dennoch kommt immer noch einiges an gutem Material zusammen, was es sich am Ende des Monats herauszustellen lohnt. Ein dominantes politisches oder gesellschaftliches Thema gab es diesmal für mich nicht – die Umstrukturierungen bei der Landtagswahl in Bayern war zu erwarten. Aber die alltäglich hingeschriebenen Weisheiten faszinieren nach wie vor, deshalb sind in diesem Monat wieder eine Menge dabei!