Blogstöckchen: Narbengeschichten

Drüben bei Formschub gibt es ein Blogstöckchen, das dazu auffordert, von den eigenen Narben zu erzählen. Es rekurriert auf das Fotoprojekt Behind the scars, bei dem Menschen mit sehr stark sichtbaren Narben fotografiert wurden. Außerdem kam ein anderer Twitterer auf die Idee:

Da ich die Idee toll finde und heute ausnahmsweise weniger zu tun ist, greife ich das auf. In Ermangelung einer wirklich sichtbaren Narbe erzähle ich dagegen eine Geschichte, bei der eigentlich Narben hätten bleiben müssen.

Als ich etwa 10 Jahre alt war, besuchte unsere Familie den örtlichen Tierpark der Kleinstadt. Es gab hauptsächlich heimische Tiere, aber auch ein paar Exoten zu sehen. Eine der Attraktionen war damals das Paviangehege, in dem nach meiner Erinnerung um die 10 Tiere gelebt haben müssen. Das Gehege war von drei Seiten zu besichtigen, in der Rückwand waren Klappen zum nicht begehbaren Affenhaus angebracht. Direkt an der Wand waren auch ein paar Bänke als Sitzgelegenheiten für die Affen befestigt.

Die Paviane waren für uns Kinder immer wieder faszinierend. Um ihre Aufmerksamkeit zu erhalten, nahmen wir häufig Kleinigkeiten zum Füttern mit. Diesmal hatten wir ein paar Erdnüsse dabei, die sich bei den Affen großer Beliebtheit erfreuten. Wir warfen vorsichtig die Nüsse (Hülsenfrucht, ich weiß!) ins Gehege und beobachteten, wie die Paviane sich daran gütlich taten. Doch eine der von mir geworfenen Nüsse landete nach ungleichmäßigem Rollen unter einer der Bänke.

Da ich jedoch nicht akzeptieren wollte, dass diese Nuss ignoriert und verschwendet wird, wollte ich dem Affen helfen. Es sollte doch für alle genug da sein! Also fasste ich mir ein Herz und griff durch das (recht grobe) Gitter, um die Nuss unter der Bank hervorzuschieben. Dies wurde sofort registriert und der Leitpavian schnappte sich meinen rechten Arm. Er kratzte und biss und wollte gar nicht loslassen. Zunächst zog mein älterer Bruder an mir, dann half mein Vater, mich von dem Gehege zu lösen, was dann gelang.

Unverletzter Unterarm

Erwartungsgemäß schrie ich wie am Spieß und mein gesamter Unterarm war blutig. So richtig begriffen hatte ich den Affen nicht, wollte ich ihm doch nur helfen! In kürzester Zeit hatten wir das Fahrrad meiner Mutter gesattelt. Selbst fahren konnte ich verständlicherweise nicht mehr, also mussten wir runde zwei Kilometer zu Fuß, Arm auf dem Sattel abgelegt, mit Taschentüchern vor Blut geschützt, ins örtliche Krankenhaus. Damals hatten tatsächlich noch Orte mit 5000 Einwohnern eigene kleine Krankenhäuser.

An die Behandlung kann ich mich nicht mehr wirklich erinnern, aber ich gehe davon aus, dass mein Arm vom Blut gereinigt wurde. Ein Röntgenbild ergab, dass nichts gebrochen war, keine Sehenverletzung, keine sonstigen Rückstände. Ich konnte danach sofort nach Hause und heute kann ich nur noch erzählen, dass ich tatsächlich „vom Affen gebissen“ bin.

Ich kann dieses Blogstöckchen nur weiterreichen an jeden, der teilnehmen mag. Lasst euch aus!

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